DEIN SITZ IST MEHR ALS DU DENKST
Wir sind es gewohnt, unseren Sitz als etwas zu betrachten, das wir verbessern oder korrigieren müssen. Doch unser Sitz ist weit mehr als eine äußere Haltung. Er ist Ausdruck unserer inneren Organisation und die Grundlage unserer Kommunikation mit dem Pferd.
Viele der Hilfen, die wir unserem Pferd geben, entstehen lange bevor wir bewusst Schenkel, Hand oder Gewicht einsetzen. Sie beginnen in unserem Körper – oft, ohne dass wir es bemerken.
Wenn wir lernen, diese Zusammenhänge wahrzunehmen und bewusst zu gestalten, entdecken wir Möglichkeiten der Kommunikation, die uns bisher verborgen geblieben sind.
Das erfordert mehr als das Erlernen einer neuen Technik. Es verlangt die Bereitschaft, sich selbst zu beobachten, gewohnte Muster zu hinterfragen und den eigenen Körper immer wieder neu kennenzulernen.
Genau hier beginnt Inneres Reiten.
Und genau hier setzen die sechs Hilfen des Reitersitzes an.
Was dein Sitz wirklich können sollte :
Die sechs Hilfen des Reitersitzes
"Feines Reiten beginnt nicht mit der Bewegung des Pferdes, sondern mit der Organisation unseres eigenen Körpers."
Bevor wir unserem Pferd eine Richtung vorgeben oder eine Bewegung verändern können, müssen wir selbst in der Lage sein, ihm einen körperlichen und inneren Rahmen anzubieten, in dem es sich ausbalancieren, organisieren und frei bewegen kann.
Die sechs Hilfen des Reitersitzes beschreiben die Fähigkeiten, die wir dafür benötigen.
Sie bauen aufeinander auf, wirken beim Reiten jedoch gemeinsam. Durch sie entsteht eine Form der Kommunikation, die nicht erst auf eine bereits entstandene Bewegung reagiert, sondern das Pferd schon in der Entstehung seiner Bewegung begleitet und führt.
"Wir korrigieren nicht mehr nur das, was geschieht. Wir gestalten die Bedingungen, unter denen es geschieht."
1. Hilfe : Gewicht positionieren
Das Gewicht des Reiters muss genau so in deinem Pferd platziert werden können, dass es dieses schon vor dem Start einer Bewegung korrekt in der Schwerkraft ausrichtet.
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Stell dir vor, jemand legt dir 1 kg auf deine rechte Schulter. Was passiert? Genau dein Körper muss dieses Gewicht muskulär stabilisieren und je nachdem, wo das Gewicht liegt, entsteht eine Starre (Statik) in den darunterliegenden Gelenken bis hin zu deinen Füßen.
Genauso ist das bei deinem Pferd. JEDES Gewicht, welches nicht genau in die Wirbelsäule deines Pferdes gegeben wird, lässt Statik und kompensierende Muskelspannung (Schiefe durch den Reiter) in deinem Pferd entstehen.
Gewicht MUSS deshalb mittig (Wirbelsäule über Wirbelsäule) positioniert werden UND bei einer vorhandenen natürlichen Schiefe des Pferdes entsprechend so, dass sich die skelettale Struktur deines Pferdes in der Schwerkraft so arrangieren kann, dass dein Pferd dich gesund tragen kann.
Das ist die 1. Aufgabe des Reiters:
#Platziere dein Gewicht mittig oder, falls nötig, so, dass dein Pferd dein Gewicht mittig in seiner Wirbelsäule tragen kann.
2. Hilfe : Tiefer Schwerpunkt
Unser Gleichgewicht wird unbewusst immer aus unserem Schwerpunkt wiederhergestellt. Damit wir wirklich aus dem Becken reiten können, brauchen wir den tiefen Schwerpunkt.
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Unser Gleichgewichtssinn reagiert immer schon, bevor wir merken, dass überhaupt eine Reaktion nötig ist. Das muss so sein, denn wir leben immer ca. 0,5 Sekunden HINTER der Realität hinterher.
Hebt nun also unser Pferd während des Reitens seine rechte Hüfte und schiebt diese nach vorn, entsteht auch im kleinsten schon ein Regelbedarf für unseren Gleichgewichtssinn. Dieser versucht immer, mittels unseres Schwerpunkts dies wiederzuerlangen. Bei den meisten Menschen hat sich dieser muskulär bedingt in den Oberkörper verschoben, weshalb unser Gleichgewichtssinn meist ein im Becken verlorenes Gleichgewicht im OBERKÖRPER wiederzuerlangen versucht. Deshalb knicken die meisten Reiter schon beim ersten Schritt des Pferdes unbewusst minimal ab. Das verschlimmert sich natürlich bei größeren Manövern.
Die Lösung ist recht einfach! Die 2. Hilfe des Reiters ist, dass er/sie ihren Schwerpunkt wieder in den Unterbauch absenkt. Erst dann fängt unser Gleichgewichtssinn wieder an, unser Gleichgewicht nicht mittels Abknicken im Oberkörper wiederherzustellen, sondern behebt die anfangende Disbalance dort, wo sie entsteht: im Becken.
DAS ist die Grundbedingung für einen tiefen, verbundenen und zügelunabhängigen Sitz. DER TIEFE SCHWERPUNKT
3. Hilfe : Tensegrität
Tensegrität lässt sich nur erschaffen und im Kontakt mit jemandem übertragen, der sie schon in sich trägt. Als Reiter überträgst du diese durch deinen Sitz.
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Tensegrität beschreibt für Menschen wie Pferde eine andere Körperorganisation als die alte biomechanische Sicht, bei der man sich die Körper quasi als eine Maschine bestehend aus Hebeln vorstellt.
Tensegrität antwortet auf einen Druck von außen nicht durch ein Gegenlehnen und Gegendrücken, sondern, vereinfacht gesagt, mit einer schon vorher vorhandenen faszialen Aufspannung in die eigene Mitte.
Drückt man auf ein tensegrales System, knickt es nicht ab und lehnt sich nicht, sondern wird umso stärker in die Mitte hin organisiert, während sein Arrangement und damit sein Ganzes bestehen bleibt. Nur das ermöglicht es dem Reiter, auch unter Einwirkung des Pferdes und der Trägheitskräfte sein Gewicht weiterhin bewusst zu platzieren und so schon ganz am Anfang jeder Bewegung des Pferdes tief zu wirken.
Tensegrität wirkt sowohl bei Pferd und Reiter, bevor wir es merken, ganz am Anfang der Dinge, eben weil es eine NEUE RESSOURCE gibt.
Tensegrität lässt sich nur erschaffen und im Kontakt mit jemandem übertragen, der sie schon in sich trägt. Als Reiter überträgst du diese durch deinen Sitz.
Deshalb ist Tensegrität die 3. Hilfe des Reitersitzes.
4. Hilfe : Korridor
Mit allen drei Hilfen zuvor erschaffen wir mit unserem Reitersitz einen Rahmen, mit dem wir unserem Pferd direkt am Beginn einer Bewegung helfen können.
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Alle drei vorherigen Hilfen führen dazu, dass wir
1. über die strategische Platzierung von Gewicht im Pferd die Ausgangslage des Pferdes schon vor der eigentlichen Bewegung verändern.
2. durch den tiefen Schwerpunkt dafür sorgen, dass wir auch schon, bevor wir es merken, auf beginnende Disbalancen aus unserem Becken antworten und NICHT abknicken.
3. über die Tensegrität in unserem Körper auch im Prozess des Angehens oder Antreibens, auch in der „vorbewussten“ Zeit, die von uns spezifisch für dieses Pferd und diese Situation gedachte Organisation unseres Körpers aufrechterhalten können.
Das führt dazu, dass wir mit unserem Körper quasi einen Korridor bilden können, der so früh greift, dass er Bewegungen im Pferd nicht erst falsch entstehen lässt und dann korrigiert, sondern schon die Entstehung der Bewegung FÜHRT.
Da entsteht die Magie!
5. Hilfe : Rotationen
Nur wenn wir selbst wirklich korrekt rotieren können, sind wir in der Lage, die Fehlrotationen unseres Pferdes mit unserem Sitz zu korrigieren.
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Der bestehende Korridor kann nun durch Rotationen unserer eigenen Wirbelsäule entsprechend den Bedingungen des Reitens angepasst werden.
Dazu ist es nötig, selbst eine wirklich rotationsfähige Wirbelsäule zu haben. Dann können wir den ganzen Korridor während des Reitens z. B. um sich selbst nach links rotieren und damit unser Pferd dorthin abwenden.
Durch die Rotation drücken wir unser Pferd nicht einfach nach links, wodurch es seinen Brustkorb versteifen und damit die Rotationsfähigkeit der entsprechenden Wirbel verlieren würde, sondern drehen gewissermaßen durch unsere Rotation eine senkrechte Spiraldrehung in unser Pferd hinein. Diese ÖFFNET den Brustkorb unseres Pferdes und ermöglicht so auch die korrekten Rotationen der entsprechenden Wirbel. So können wir innerhalb der Lektionen die Fehlrotationen unseres Pferdes ganz einfach korrigieren ... indem WIR korrekt rotieren!
Nur wenn WIR als Reiter wirklich rotieren können, können wir die Fehlrotationen unseres Pferdes wirklich korrigieren.
6. Hilfe : Ventraler Vagus
Nur im Zustand des ventralen Vagus sind Reiter und Pferd wirklich lernfähig. Über Spiegelneuronen kann der Reiter so das Pferd co-regulieren.
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Nehmen wir die richtige Position in der Schwerkraft ein, kann unsere ventrale (bauchseitige) Faszienkette entspannen. Dieses aktiviert den ventralen Vagusanteil, welcher bei Aktivierung dafür sorgt, dass wir uns selbst fühlen, Stress abbauen und lernfähig sind.
Das Schöne ist, dass Pferde ebenso funktionieren. Wenn wir also diesen Zustand bewusst einnehmen können, auch wenn unser Pferd gestresst (dorsaler Vaguszustand) ist, können wir mittels der Koregulation über die Spiegelneuronen unserem Pferd diesen Zustand konstant als eine alternativ mögliche Reaktion auf äußere Reize anbieten. Bleiben wir konstant, fängt unser Pferd an, sein Nervensystem an uns auszurichten. Wir werden gewissermaßen ihr/seine Leitstute.
Dies ist die 6. Hilfe: bewusste Ausrichtung des eigenen Systems auf den ventralen Vaguszustand. Auf diese Weise können wir ihn an unser Pferd weitergeben und für uns beide einen Raum schaffen, in dem Fühlen und Lernen überhaupt erst möglich wird.
Was DICH im Onlinekurs erwartet:
LERNEN & VERSTEHEN
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Lerne in deinem eigenen Tempo. Alle Lektionen stehen dir jederzeit zur Verfügung – so oft du möchtest.
KI-LERNBEGLEITER
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BEGLEITMATERIAL (PDF)
Vertiefe dein Wissen mit Transkripten, Zusammenfassungen und Auszügen aus unserem Buch zum Inneren Reiten.
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Julia und Sebastian
"2014 haben wir angefangen Sebastians innere Bewegungskunst mit meinem Reiten zu kombinieren und sind schnell zu sehr erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Seitdem lernen wir kontinuierlich weiter und versuchen unsere Erfahrungen möglichst unkompliziert weiterzugeben."

















